Arno ist sehr sportlich. Zumindest macht es den Anschein. In der Lounge stehen zwei Mountainbikes, wovon eines ihm und eines seinem Bruder, der im Übrigen auch Boris heiße, gehöre. Sonntags fährt er für gewöhnlich eine Tour hier durch die Weinberge. Als ich am Sonntag aufstand, sah ich, dass ein Fahrrad fehlte. Zirka eine Stunde später kam er durchgeschwitzt und im Fahrraddress heim. Cool man!
Heute hat er sich am Abend mit Dan, einem Freund, zum Radeln verabredet. Als die beiden nach einer wohl anstrengenden Fahrt zu Hause eintreffen, machen sie sich frisch und haben natürlich einen Bärenhunger. Den habe ich auch, dazu brauche ich nicht extra Fahrrad zu fahren. Also sind wir uns einig, dass wir alle noch etwas zu essen brauchen und da ich das Java-Café (man beachte auch hier die o.g. Ausspracheregel!) noch nicht kenne, gehen wir dort hin. Das Java ist wohl die Kneipe am Platze. Neben dem Beads (wo ich natürlich auch gelegentlich zu finden bin) ist das Java der Laden um zu sehen und um gesehen zu werden. Dan, Arno und ich treffen ein und natürlich hätten wir reservieren sollen, aber da die Jungs auf die netten Kellnerinnen ihren Charme spielen lassen, bekommen wir noch einen kleinen Tisch. Die Einrichtung ist sehr schick und unheimlich lässig. In eben! Die High-Society gibt sich hier die Klinke in die Hand. Mir wird klar, warum Dan und Arno das Java gerne frequentieren: hier bedienen ausschließlich Blondinen.
Auf der Karte mag mir nichts so recht ins Auge springen. Alle Gerichte tragen seltsame Namen und die Zusammenstellung ist auf den ersten (deutschen) Blick ungewöhnlich. Trotzdem ist alles erschwinglich. Ratlos frage ich Dan, was er mir empfehlen könne. Die Rinderstreifen auf den Nudeln seien der Hammer. Er nehme sie. Also tue ich es ihm gleich. Dazu trinken wir Windhoek Lager. Am Anfang denke ich, dass Windhoek Lager so schlecht nicht sein kann, da Namibia immerhin vor rund 100 Jahren eine deutsche Kolonie war und sich dadurch bestimmt eine handfeste Braukultur entwickelt habe; mit Deutschem Reinheitsgebot von 1516 und dem üblichen Kram. Weit gefehlt. Windhoek Lager schmeckt ganz und gar nicht gut und ich habe nach schon einem 0,3 l Fläschchen Kopfschmerzen. Zum Glück kommt langsam das Essen und Arno beschließt, zum Essen einen Wein zu trinken. Schon wieder danke ich Gott für Arno und bestelle sogleich auch einen Wein, zum Rind natürlich einen roten..
Auf einmal kommt wieder dieses dumpfe Geräusch, gefolgt von einem alles übertönenden und von überall her zu hörenden „Aaahhhh“. Es klingt ein wenig wie an Silvester, wenn man erwartungsvoll und freudig gen Himmel schaut, das Feuerwerk bestaunt und voller Überraschung ein lautes „Aaahhhh“ von sich gibt. Hier ist einfach nur wieder Stromausfall. Alles ist schwarz, bis auf die Tischkerzen und die überall herum flackernden Mobiltelefone. Jetzt fehlt nur noch eine große Torte mit Wunderkerzen, aus der ein Überraschungsgast für ein Geburtstagskind hüpft. Aber hier scheint gerade niemand Geburtstag zu haben, und sogleich springt auch schon der Stromgenerator des Javas an. Dan regt sich lauthals mit Worten auf, die ich hier besser nicht wiedergebe. Schließlich habe ich auf dieses Internettagebuch keine Altersbeschränkung erhoben. Der Teil, den man zitieren kann, ist die Frage, wo wir denn hier lebten. „In Afrika“, unterrichtet uns der freundliche Herr am Nebentisch und legt seine Zeitung aus der Hand, da es zum Spiegellesen jetzt etwas zu dunkel ist.
Was war das? Ein Spiegel? Ich bin entzück, eine deutsche Zeitschrift zu erblicken und beschließe, den Herren am Nebentisch zu fragen, woher er denn den Spiegel habe. Als wieder Normalität im Restaurant herrscht, klinke ich mich kurz aus unserem Gespräch aus. Dan und Arno meinen wohl ich müsse für kleine Maties und die beiden gucken doch etwas verdutzt, als ich den Herren am Nachbartisch aus der Luft heraus anspreche. Auf Deutsch begrüße ich ihn und sage, dass ich davon ausgehe, er verstünde, seiner Lektüre wegen, doch sicherlich Deutsch. Akzentfrei antwortet er mir und erklärt mir, dass er hier in Stellenbosch schon eine Weile wohne, ursprünglich aber aus Deutschland komme. Er möchte wissen, warum ich hier sei. Ich erkläre es ihm und, wie jeder dem ich das sage, finde er es sehr spannend. Nun nenne ich ihm den Grund für meinen kleinen Überfall. „Wo gibt es hier den Spiegel?‟ „Bei einem Spar-Supermarkt (wo auch sonst?) ein Stückchen außerhalb, wenn man auf der Straße in Richtung Kayamandi, dem Stellenboscher Township, fährt“. Jeden Dienstag käme der „frische Stoff“ an. Klingt logisch, schließlich bin ich auch fast zwölf Stunden geflogen, also darf der Spiegel hier auch einen Tag Verspätung haben.
Ich bedanke mich bei dem Herren am Nachbartisch und geselle mich wieder zu meinen Jungs, denen ich auch gleich meine Aktion erkläre. Dan kennt den Spar. Leider ist es zu Fuß keine gute Idee dorthin zu gehen, werde ich aufgeklärt, aber Dan verspricht, bei Gelegenheit an mich zu denken und deutsche Ware für mich zu besorgen. Das Rind auf Nudelbett ist äußerst wohlschmeckend und wird von den Spaghetti mit Paprika und der leckeren Soße perfekt abgerundet. „Der Tipp war prima“, bedanke ich mich bei Dan. „Plesha!“
Nach dem Essen wollen die beiden rauchen und wir setzen uns deswegen nach draußen. Auch in Südafrika ist das Rauchen in Lokalen verboten, jedoch hält sich hier im Gegensatz zu Deutschland jeder an das Gesetz. Verdrehte Welt!
1 Kommentar:
Windhoek ist total lecker und keine Chemie-Scheiße wie der andere Quark dort. Trink ein paar für mich!
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